Der langsame Hase

The Slow Hare

Der langsame Hase


ist der Titel eines Langzeitprojektes des Stimm- und Performance-Ensembles KörperSchafftKlang, das 2012 gestartet ist und seitdem immer wieder mit neuen Aktionen und Ideen aufscheint. Ich habe den Rahmen für einige Solo-Aktionen genutzt.

Drei chinesische Gedichte bilden Grundlage und Quelle für eine künstlerische Auseinandersetzung und Integration von (alt-)chinesischen Motiven auf verschiedenen formalen und inhaltlichen Ebenen. Jenseits jeglicher Folklore entwickelt das Stimm-Performance-Ensemble KörperSchafftKlang performative Interventionen. Primäres Medium der Performances ist dabei die menschliche Stimme.

Verhandelt werden große Themen, u.a.: Einsamkeit und Gemeinschaft; Fremde und Heimat; Vergangenes und Gegenwärtiges, Freundschaft, Flucht und Leere.

Im Laufe der Zeit hat sich das Projekt auch in andere Richtungen weiter entwickelt, die nur noch am Rande mit den drei Gedichten zu tun haben. Seit 2020 steht der Hase bei Joseph Beuys mit im Zentrum des Geschehens.


English:

The Slow Hare


is the title of a long-term project by the voice and performance ensemble KörperSchafftKlang, which started in 2012 and has been coming up with new actions and ideas ever since. I have used the framework for some solo actions.

Three Chinese poems form the basis and source for an artistic exploration and integration of (ancient) Chinese motifs on various levels of form and content. Beyond any folklore, the voice- and performance- ensemble KörperSchafftKlang develops performative interventions. The primary medium of the performances is the human voice.

Major themes that are worked on are: Loneliness and community; foreignness and home; past and present, friendship, refuge and emptiness.

In the course of time, the project has also developed in other directions that only marginally have to do with the three poems. Since 2020, the hare in Joseph Beuys' work has been at the centre of the activity, too.

Die Gedichte in verschiedenen Versionen (deutsch)


Wang Wei: Hirschgehege

Berg – leer/ kein – wahrnehmen – einziger 

Nur – hören/ Menschliches – Stimme – widerhallen

Rückkehr – Strahl/ eindringen – Tiefe – Wald

Von neuem – leuchten / grün – Moos – darauf

Leerer Berg, niemand zu sehen

Nur zu hören, menschliche Stimme erklingend

Schatten wandelt sich /dreht sich um*, tiefes Holz (tiefen Wald) erreichend

Noch mehr erhellend (erhellt)/ grünes Moos darüber



Der langsame Hase (Liederbuch der Chinesen /Guofeng)

Es gibt einen Hasen, der langsam ist; der Fasan hastet ins Netz. Hätte anfangs nicht handeln sollen. Traf später auf hunderterlei Sorgen. Hätte schlafen sollen, mich nicht rühren.

Es gibt einen Hasen, der langsam ist; der Fasan hastet in die Falle. Hätte anfangs nichts tun sollen. Traf später auf hunderterlei Kummer. Hätte schlafen sollen, nichts bemerken.

Es gibt einen Hasen, der langsam ist; der Fasan hastet ins Netz. Hätte anfangs nichts unternehmen sollen. Traf später auf hunderterlei Plagen. Hätte schlafen sollen, nicht zuhören.



Li Bai (Tang-Zeit)

Mond, unter, allein, einschenken, Wein 

Blüte, unter, eine(r), Krug, Wein

allein, trinken Wein, ohne, einen anderen, vertraut

heben, einladen, hell, Mond

Paar, Schatten, vollständig, drei, Leute

Mond, seit, nicht verstehen, trinken

Schatten, Schüler, folgen, mein Körper

vorübergehend, Kamerad, Mond, Schatten

gehen, Jubel, müssen, erreichen, Frühling/Freude

Ich, Gesang/Lied, Mond, unentschlossen, wandern

Ich, tanzen, Schatten, Rest, in Verwirrung

wach sein, begleitend, Freunde machen/bekommen, freudvoll

berauschen/schließlich, jeder, getrennt, verstreut, vereinzelt

für immer, binden/fesseln, nicht, gnadenlos, reisen/ umhertreiben

himmlischer Fluss/Milchstraße, tiefgehend/abgelegen, Wolke


        



The three Chinese poems (Engl./French)


Wang Wei:

Mountain – empty/ no – seeing - anyone

Only - hearing/ human - voice – resonate

Shadow – turn/ reach – deep – wood

More – light up/ green – moss - above


Montagne vide/ ne percevoir personne

Seulement entendre/ voix humaine résonner

Ombre retournée*/pénétrer bois profond

Encore éclairer/ mousse verte dessus


Empty mountain/ feel no one

Only hear/ human voice resonate

Turned upside shadow/ reach deep wood

Still light up/ green moss above



Songbook of the chinese (Guofeng) The slow Hare 


There is a rabbit, which is slow; the pheasant hurries into the net. At the beginning of my life (I) wouldn't have been supposed to act (so). In my later life I hit (on) hundreds of worries. (I) wouldn't have been supposed to sleep (and) move.
There is a rabbit which is slow; the pheasant hurries into the trap. At the beginning of my life (I) would have been supposed to do nothing. In my later life I met one hundred different sorrow. (I) would have been supposed to sleep (and) notice nothing.
There is a rabbit which is slow; the pheasant hurries into the net. At the beginning of my life (I) wouldn't have been supposed to be (so) busy. In my later life I met ( on hundreds of mishaps. (I) would have been supposed to sleep (and) not listened. 


Il y a un lapin, qui est lent; le faisan presse dans le filet. Au début de ma vie, (je) n'aurais rien du faire (ainsi). Heurtai dans ma vie future ( je sur ) centaines de soucis. (Je) aurais dû dormir (et) ne pas bouger.
Il y a un lapin qui est lent ; le faisan presse dans le piège. Au début de ma vie, (je) n'aurais rien dû faire. Dans ma vie future, je rencontrais cent différents chagrins. (Je) aurais dû dormir (et) ne rien remarquer.
Il y a un lapin qui est lent ; le faisan presse dans le filet. Au début de ma vie, (je) n'aurais pas dû être (si) industrieux. Rencontrai dans ma vie future ( je sur centaines de mésaventures. (Je) aurais dû dormir (et) pas écouté. 


Li Bai’s “Drinking Alone by Moonlight”:


 moon, under, alone, pour wine

blossom, among, one, pot, wine 

alone, pour wine, without, one another, intimate

to lift, cup, invite, bright, moon

couple, shadow, complete, three, people

moon, since, not understand, drink

shadow, disciple, follow, my body

temporary, companion, moon, shadow

to go, cheer, must, to reach, spring/joy

I, song, moon, irresolute, wander

I, to dance, shadow, remnant, in confusion

to be awake, accompanying, to make friends, joyous

intoxicate/finally, each, divided, scattered

forever, to bind, not, merciless, to travel/roaming

heavenly river/Milky Way, profound/remote, cloud



Video Der langsame Hase I

Im Rahmen der Aktion habe ich drei Karten entworfen und mit Hilfe von Karin Leyk, Stimmperformerin und Grafikerin, als echte Postkarten in DinA6 produziert. 

Auf Anfrage schicke ich die Karten gerne zu!

E-MailRight Long

Karte Nr. 1

(engl. below)

KörperSchafftKlang

Der Langsame Hase – die Performances April/Mai 2018


Im Rahmen eines Arbeitstreffens hat das Stimm- und Performance-Ensemble KörperSchafftKlang drei Tage lang seine Forschung zum Ort der menschlichen Stimme in der Performance Art weitergeführt und den Raum zwischen vokaler Aktion und stimmlicher Skulptur erkundet. An jedem Tag gab es ca. drei Stunden öffentliche Performances. Jeder Tag war einem der drei chinesischen Gedichte gewidmet, die wir in unserer Langzeitintervention Der Langsame Hase einsetzen. 

Leerer Berg (Hirschgehege) von Wang Wei

Der langsame Hase aus dem Liederbuch der Chinesen (Guofeng)

Mond unter von Li Bai.


Die Performances waren in drei Abschnitte unterteilt:

 

1. Gruppenperformance 

Setting: das Gedicht; der Raum; das Ensemble der StimmperformerInnen; eine individuelle stimmliche Aufgabe; der vorgegebene Zeitrahmen, ein Vorschlag für die Grundstimmung: (1)Leere, 2)Nichtstun, 3)sei einsam – verbinde dich).

Durchführung: Die PerformerInnen sind im Raum und nehmen Verbindung auf zum Gedicht, zur darunter liegenden Idee, zum eigenen Körper und zur Stimme. Das Gehör öffnet sich nach innen und nach außen. Mit Orientierung an der individuellen Aufgabe werden die Stimmen in Bewegung gebracht. Die anderen Stimmen im Raum werden gehört, ohne darauf direkt zu reagieren. Die Idee, die wir verfolgen, läuft auf eine stimmliche Skulptur hinaus, weniger auf eine musikalische oder theatrale Improvisation. 




2. Einzel-Performances mit Ensemblemitgliedern

Stimmperformances, die solistisch oder in kleineren Gruppen einen Aspekt des Gedichtes herausgreifen und performativ übersetzen. Die Performances dieses Teils sind vorher geplant und konzipiert. 


Performance-Titel:

a)    aus dem leeren Berg (R. Peters, solo)

b)    Echo (A. Pollner, mit Ensemble)

c)    Faden (A. Pollner mit zwei weiteren PerformerInnen)

d)    Faules Pack (W. Heil mit zwei weiteren PerformerInnen)

e)    Mond unter - Trinkgelage (A. Pollner und R. Peters)

    

3. Open Space Performances

Mit der Erfahrung des Tages (die Performances, das Gedicht, die Kontakte etc.) treffen sich die StimmperformerInnen im Raum und agieren einzeln und/oder miteinander stimmlich performativ in Verbindung mit den Themen und der Atmosphäre, die im Raum präsent sind und folgen dabei den Ideen, die die Einzelnen vorschlagen.


Performance-Titel:

a)    Leerer Berg chinesisch-deutsch (W. Heil, solo) 

b)    Rezitation (K. Leyk, solo)

c)    Inneres Ohr (A. Pollner, solo)

d)    Berg (B. Hesse plus zwei Performer)

e)    Rezitation en français (C. Bedarida, solo)

f)    Gedicht vokal-konsonant (K. Leyk mit einer PerformerIn)

g)    Langsamer Atem (A. Pollner plus drei PerformerInnen)

h)    Echo (A. Pollner, mit Ensemble 

i)    Winni erklärt dem Schokohasen das Gedicht „Mond unter“ (W. Heil, solo) 

j)    Klangkreislauf (S. Dieterich mit Ensemble)


(engl. below)

KörperSchafftKlang

The Slow Hare - the performances April/May 2018


As part of a working meeting, the voice and performance ensemble KörperSchafftKlang continued its research into the human voice in performance art for three days, exploring the space between vocal action and vocal sculpture. Each day featured approximately three hours of public performances. Each day was dedicated to one of the three Chinese poems used in our long-term intervention The Slow Hare. 

Empty Mountain (Deer Enclosure) by Wang Wei

The Slow Hare from The Songbook of the Chinese (Guofeng).

Moon Under by Li Bai.


The performances were divided into three sections:

 

1. group performance 

Setting: the poem; the space; the ensemble of vocal performers; an individual vocal task; the given time frame, a suggestion for the basic mood: (1)emptiness, 2)doing nothing, 3)be lonely - connect).

Performance: The performers are in the space and connect to the poem, the underlying idea, their own body and voice. The ear opens inwards and outwards. With orientation to the individual task, the voices are set in motion. The other voices in the room are heard without reacting directly to them. The idea we are pursuing amounts to a vocal sculpture rather than a musical or theatrical improvisation. 




2. individual performances with ensemble members

Vocal performances, solo or in smaller groups, that pick out an aspect of the poem and translate it performatively. The performances in this part are planned and conceived in advance. 


Performance titles:

a) from the empty mountain (R. Peters, solo)

b) Echo (A. Pollner, with ensemble)

c) Faden (A. Pollner with two other performers)

d) Faules Pack (W. Heil with two other performers)

e) Moon Under - Drinking Party (A. Pollner and R. Peters)

    

3. open space performances

With the experience of the day (the performances, the poem, the contacts, etc.), the voice performers meet in the space and act individually and/or with each other vocally performatively in connection with the themes and atmosphere present in the space, following the ideas suggested by the individuals.


Performance titles:

a) Empty Mountain Chinese-German (W. Heil, solo) 

b) Recitation (K. Leyk, solo)

c) Inner Ear (A. Pollner, solo)

d) Mountain (B. Hesse plus two performers)

e) Recitation en français (C. Bedarida, solo)

f) Poem vocal-consonant (K. Leyk with one performer)

g) Slow Breath (A. Pollner plus three performers)

h) Echo (A. Pollner, with ensemble) 

i) Winni explains the poem "Moon under" to the chocolate bunny (W. Heil, solo) 

j)    Klangkreislauf (S. Dieterich with ensemble)

 Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)

ein Hasenruf/ a hare´s shout

Mond unter allein

die erste Performance  gemeinsam mit Agnes Pollner 

im Oktober 2013

the first performance in Oct. 2013

Video Der langsame Hase II

Karte Nr. 2

Karte Nr. 3

Hasenapotheke/hare´s apothecary

Performance gemeinsam mit Agnes Pollner, Sept. 2021, 

im Rahmen der Beuys-Woche im stimmfeld-Studio

Performance in the context of te Beuys-Week in 2021 in Köln.


Infos Right Long

Ein Fundstück aus dem Jahr 2019:

In der Presse gab es in den vergangenen Tagen eine interessante Geschichte, die mit der Bedeutung chinesischer Gedichte zu tun hat, die ja auch im Zentrum des langsamen Hasen stehen. In Hongkong hat einer der reichsten Leute der Stadt Li Ka-Shing in der Zeitung einen Zeile aus einem Gedicht veröffentlicht, als Kommentar zu der schwierigen Situation dort und der Gefahr, dass es zu einem Einmarsch der Chinesen kommen könnte.

In China gab es die Tradition, politische Verhandlungen zwischen Gegner so zu führen, dass man sich gegenseitig Zeilen aus klassischen Gedichten zusendet, in erster Linie aus dem sogenannten Liederbuch der Chinesen, der ältesten Lyriksammlung überhaupt, die in klassischen Zeiten Grundlage der Bildung war. Jeder gebildete Chinese kannte damals die Gedichte und wusste, was mit der jeweiligen Zeile gemeint ist. Daran knüpft Li Ka-Shing offensichtlich an. Ob jemand versteht, was er meint? Die Journalisten scheinen jedenfalls ratlos zu sein.

“Die Melone von Huangtai kann die Ernte nicht mehr ertragen” heißt die merkwürdige deutsche Übersetzung. Sie stammt aus einem Gedicht eines Kaisersohns der Tang-Zeit, der von seiner Mutter unter Hausarrest gestellt wurde und versucht, sie zu erweichen. Doch sie zwingt ihn letzten Endes zum Selbstmord. Da liegt es doch nahe, an die Hongkonger Ministerpräsidentin Lam zu denken, die ihre “Kinder”, die Jugend von Hongkong in den Selbstmord treibt? Man kann nur hoffen, jemand versteht Li Ka-Shing!

Archiv/Archive Right Long

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